Am Samstag geschah das Unfassbare – oder war es doch zu erwarten: Ian Hume, kanadischer Stürmer des englischen Zweitligisten Barnsley FC, wurde bei einem Kopfballduell vom Ellbogen seines Gegenspielers Chris Morgan (Sheffield United) getroffen. Die Bilanz dieses Zusammentreffens: Hume musste nach dem Spiel mit einem Schädelbasisbruch und Gehirnblutungen ins Krankenhaus eingeliefert werden, sein Zustand ist stabil. Der Verursacher der Verletzungen, der sich übrigens schon mehrfach entschuldigt hat, trug ebenfalls schwerwiegende Konsequenzen davon: Schiri Andy D’Urso zeigte Morgan die Gelbe Karte.
Dagegen wird Barnsley-Coach Simon Davey vor die Disziplinarkommission zitiert: Er muss sich für sein Verhalten gegenüber dem Schiri-Assi nach einem Elferpfiff gegen sein Team kurz vor Schluss Verantworten. Barnsleys Führung will am Montag bekanntgeben, ob der Klub vor Gericht ziehen wird.
Nachträgliche Strafe möglich
Der FA sind im Fall Morgan eigentlich die Hände gebunden: Die Verwarnung durch Schiri D’Urso verhindert eine nachträgliche härtere Bestrafung durch den Verband. Außer die Herren Funktionäre bewerten diese Aktion als außerordentlichen Fall: Bereits 2006 wurde so Manchester Citys Ben Thatcher für ein ähnliches Vergehen gegen Portsmouths Pedro Mendes mit einer Acht-Spiele-Sperre bestraft.
Diese gemeingefährliche Unart mit dem Ellbogen voran in ein Kopfballduell zu springen oder bei Laufduellen den Ellbogen in Gesichtshöhe „unabsichtlich“ im Gesicht des Gegners zu platzieren nimmt seit Jahren immer mehr zu. Die Referees nehmen diese Attacken ohne viel Aufsehen hin: Kaum noch werden diese Vergehen gepfiffen, geschweige denn mit Karten und darauf folgenden Sperren bestraft.
Ich kann mich noch an meine Anfänge im Jugendliga-Alltag erinnern: Meine Kopfbälle wurden allesamt abgepfiffen. Ich hob beim Abspringen meine Arme zu hoch und bekam ein Sondertraining verordnet. Da lernte ich mit angelegten Armen abzuspringen und wurde damals dank meiner Sprungkraft der Turm in der Abwehrschlacht.
Achse des Bösen: Sportwetten, Textilvergehen, Nacktjubler
Wo bleibt der Aufschrei von UEFA-Boss Michel Platini oder des Herrn des Weltfußballs, FIFA-Präse Josef Blatter? Ist es den großen Fußball-Chefs egal, was mit ihren goldenen Eseln auf dem Spielfeld passiert? Wo bleibt die Anweisung an die Schiri-Welt, den Einsatz der Ellbogen genau zu beobachten, zu unterbinden und gegebenenfalls schwer zu bestrafen? Die Akteure warten seit Jahren vergebens.
Viel mehr Sorgen macht sich Blatter um das viele Geld, das in den Sportwettenmarkt fließt. Da könnte ja vielleicht doch was für die große FIFA-Familie abfallen. Konsequent werden Textilvergehen und „Nacktjubler“ auf dem Feld verfolgt. Ein Zupfer am gegnerischen Trikot reicht für einen Strafstoß aus. Und Spieler die sich das Leibchen beim Torjubel über den Kopf ziehen oder gar komplett ausziehen, werden mit Gelb bestraft. Wir leben in einer anständigen Welt, wo kommen wir denn da hin…
Der Anblick zertrümmerter blutverschmierter Gesichter macht den Herren in den Gremien dagegen weniger aus. Ja, ja, Seppis Sorgen möcht’ ich haben.
Blogs zum Thema:
onthepontyend.blogspot.com
offthepost.info
THE PIEMAN
sportmedienblog.de
kickster.eu
textilvergehen.de
Presseberichte:
Only Morgan knows whether he meant it
FA waits to make Morgan decision
Chris Morgan could face retrospective action
Barnsley ponder Hume legal action
Davey to contest FA charge
Glücks- und Wettspiele als ernsthafte Bedrohung des Fußballs
Ausziehen in der Bundesliga verboten
Schlagworte: FIFA, Fußball, Manchester City, Michel Platini, Portsmouth, Sportwetten, UEFA
17. November 2008 um 12:28
Und hier gibts noch einen Diskussionsthread zum Thema: http://www.du-bist-dein-sport.at/forum/showthread.php?t=11217