Doper Kohl hat nichts begriffen

Bernhard Kohl hat nichts begriffen: Nachdem er sich hartnäckig als Aufdecker stilisiert hatte, ließ er die Anwesenden bei der Anhörung am Montag enttäuscht zurückt. Er erzählte nur Dinge, die ihm bereits zuvor nachgewiesen wurden, Neuigkeiten bekam man nicht zu hören. Dennoch beharrt Kohl darauf, alles erzählt zu haben. Glaubt er das wirklich? Schon möglich. In einem Interview mit den Niederösterreichischen Nachrichten nach der Urteilsverkündung pochte er auf noch seinen Sonderstatus: „Ich bin schließlich nicht irgendwer, sondern Dritter bei der Tour de France geworden.“ Nochmal: Glaubt er das wirklich?

Man bedenke: Der ehemalige Gerolsteiner-Profi ist verkauft seit über einem halben Jahr ein Saubermann-Image und hat seit seinem TdF-Triumph die Wahrheit eiskalt umkurvt. Warum also sollte er plötzlich damit aufhören und sich nicht als verfolgtes Opfer stilisieren? Immerhin steht er ja nur zwei Jahre, Kohl rechnet offensichtlich damit, dass die Sperre nur eine Unterbrechung seiner Karriere bedeutet.

Die Argumentationslinie des Herrn Radprofi, er nenne seinen Dealer deshalb nicht, weil dieser (Arzt) nichts dafür kann und mit Sportlern normalerweise nie in Berührung kommt, passt gut zur – jetzt offensichtlichen – Denkweise Kohls. Erstens weiß er nicht, ob sein Lieferant nicht doch Blut geleckt hat. Und zweitens: Einem Mediziner, der an einen gesunden Menschen ein Krebsmedikament trotz starker Nebenwirkungen zwecks Leistungssteigerung abgibt, gehört sofort die Approbation entzogen.

Aber Kohl wird schon wissen, was er tut. Zumindest sein fragwürdiger Manager Stefan Matschiner war so erleichtert über die fruchtlose Aussage seines Schützlings, dass er sofort in den Urlaubsflieger nach Kenia (das Land der Wunderläufer) stieg und sich vertschüsste.

Es bleibt die Hoffnung, dass Kohl nie wieder den Weg zurück in den Radrennsport findet. Und auch nicht den üblichen Weg aller rotweißroten Dopingsünder geht: als Co-Kommentator in den ORF. Denn die Berichterstattung des Staatsfunks spricht Bände: Dem Protagonisten wird die Stange gehalten, das Vorgehen der NADA in ein schiefes Licht gerückt (siehe auch zurpolitik.com). Wen wundert’s, wenn ein Insider (Michael Fruhmann) zu „objektiver“ Berichterstattung gezwungen wird.

Zum Thema passt auch: Hat Österreichs Sportjournalismus ein Dopingproblem?

Der Kurier hat übrigens beispielhaft über diesen Fall berichtet und mit einem Fragebogen den Vogel abgeschossen: Fragebogen für Doping-Sünder (über sportrecht.wordpress.com).

Kommentar
Die Falsch-Aussage
Kohl ist kein Massenmörder, nur das schwächste Glied in der Dopingkette. Der Ertappte, der die Ohrfeigen kassiert. Aber Kohl bleibt Täter. Wenngleich es ihm in den vergangenen Wochen fast gelungen wäre, zum Opfer zu mutieren.
Quelle: kurier.at

Pressestimmen zur Causa „Kohl“

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