Es gibt kein Hoffenheim in Österreich

Hoffenheim ist in aller Munde: Die einen schimpfen auf den Herbstmeister der Deutschen Bundesliga, weil sie der irrigen Annahme sind, dass man es mit einem Retortenklub zu tun hat. Die anderen bewundern den Aufstieg des Dorfklubs und glauben ernsthaft, dass dieses Konzept auch auf große Traditionsklubs wie Nürnberg, Gladbach oder Kaiserslautern umlegbar sei.

Ein Fußballverein kann nicht wie ein Unternehmen geführt werden, es muss Geld investiert werden, dass vielleicht nie wieder zurückkommt (z. B. Nachwuchs, Sozialarbeit). Und Investoren wollen sicher nicht ihr Geld für den Dienst an der Allgemeinheit „verschwenden“ – wie man mittlerweile wissen sollte.

Historie ohne Wert

Die TSG 1899 Hoffenheim als Kunst- bzw. Retortenklub zu bezeichnen und die Tradition abzusprechen ist aber ebenfalls gewagt. Ein Verein der 2009 sein 110-jähriges Bestehen feiert hat logischerweise eine Vergangenheit und Geschichte. Was fehlt, ist die Historie in den Profiligen. Heißt das jetzt, dass nur mehr Aufsteigen oder gar um den Titel mitspielen darf, der ein Mindestmaß an Geschichte in der Topliga zu verzeichnen hat? Wo legt man den Maßstab an? Beim HSV und Bayern München? Oder reicht schon ein Niveau wie Mainz oder Freiburg? Also künftig Neulinge verboten?

Geld spielt nicht Fußball

Ich bin kein Freund der Kapitalisten und neoliberalen Putschisten, mir ist die Kohle von Hopp sowas von egal. Aber: Die Fans und Funktionäre die diese Mannschaft teilweise schlimm beleidigen (teilweise reagiert Dietmar Hopp aber auch sehr weinerlich), haben eines nicht begriffen. Die Millionen sind bestenfalls ein gute Basis für den Erfolg – zumindest geschadet hat das Geld nicht.

Aber was viel wichtiger ist: Geldgeber Hopp hat ein gerüttelt Maß an Fußballverstand und Bescheidenheit – und das unterscheidet ihn von vielen Geldgebern und Fußball-Investoren. Hopp hält sich im Hintergrund und beschränkt seine Entscheidungsgewalt auf wirtschaftliche Belange. Im sportlichen Bereich lässt er dem Fachmann Ralf Rangnick und dessen Team freie Hand. Eine kluge Entscheidung – wie man sieht.

Das beginnt schon bei der Einkaufspolitik. Die TSG überlässt die Knallertransfer den üblichen Verdächtigen. Der Dorfklub investiert sein Geld lieber in hungrige talentierte Jungkicker, die im Idealfall einschlagen wie Vedad Ibisevic, und in das System Rangnick passen. Auch des Engagement von Timo Hildebrandt ist nur nominell ein Toptransfer. Doch der bei Valencia geschaßte war dankbar für die Möglichkeit in seine Heimat zurückzukehren und verkaufte sein Unterschrift zum Billigtarif. Ein Henrik Larsson wäre da natürlich ein anderes Kaliber – doch der ist immer und überall ein Thema.

Hoffenheim ist ein Gewinn für die Liga, nicht nur weil das Team die Tabelle anführt. Auch die Art und Weise wie die Rangnick-Jungs aufspielen macht Lust auf mehr. Lieber habe ich doch einen gesunden, attraktiv aufspielenden Klub an der Ligaspitze, als Vereine die ständig am sportlichen und finanziellen Abgrund herumstolpern.

Pleiteliga Österreich

Und wenn wir von Tradition sprechen: Fußballfans in Österreich sind gebrannte Kinder, wenn es um unmoralische Angebote geht. Rapid Wien, Wacker FC Tirol Milch Innsbruck (oder wie die gerade heißen) und Regionalligist Grazer AK sind die prominentesten Beispiele für vergiftete Geldspritzen.

Aber auch der Linzer ASK, Sturm Graz und Austria Wien sind Betrügern und Phantasten aufgesessen. Der SV Pasching verkaufte seine Tradition nach Klagenfurt – und die dortige Austria ist wahrlich kein Gewinn für den Alpenkick. Abgesehen von der fehlenden Rasenheizung, könnte eine Abwahl des BZÖ den Todesstoß für das traurige Experiment bedeuten.

Allmacht im Präsidentenamt

Derzeit werden Admira Wacker (Trenkwalder) und Wr. Neustadt (Strohsack) mit viel Geld in die Topliga gejagt. Richard Trenkwalder ist im Gegensatz zu Hopp einer dieser Präsidenten, der seinen fehlenden Fußball-Sachverstand dadurch wettmacht, dass er sich umso häufiger in sportliche Belange einmischt. Zuletzt platzte der Transfer von Vladimir Janocko nach einem persönlichen Gespräch mit dem allmächtigen Präsidenten (Link; Link).

In Wr. Neustadt läuft alles nach Plan. Kein Wunder: Frank Stronach setzt auf erfahrene Ex-Veilchen, die in der zweiten Spielklasse leichtes Spiel haben. Ob er wie schon bei der Austria seine Sportverantwortlichen mit phantastischen Forderungen terrorisiert oder sich mit seltsamen Gestalten in seinem Beraterumfeld schmückt, muss sich erst zeigen. Es ist zu befürchten. Übrigens, Herr Strohsack: In 18 Monaten sollte Österreich den WM-Titel einfahren – wird das noch was?

Während sich also in Österreich unbeachtet von der Öffentlichkeit der nächste Unsinn anbahnt, polarisiert ein beispielhaftes Projekt die Deutschen Fans. Doch während z. B. in England die Vereine ihren Bossen auf Gedeih’ und Verderb’ ausgeliefert sind (Link), wäre ein Rückzug Hopps für Hoffenheim kein Malheur. Der Klub steht zu gut da, um ins Schlingern zu geraten. Und das ist in der heutigen Zeit schon sehr viel wert.

Link:

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What comes up must go down!
Der Club aus der Rhein-Neckar-Region spielt schnellen, attraktiven und erfolgreichen Angriffsfußball und begeistert Anhänger des gepflegten Spiels aus der ganzen Republik. Doch Dietmar Hopps Investment erscheint inzwischen reichlich planlos und lässt befürchten: What comes up must go down!
Quelle: sportticker

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