Kampf auf Leben und Tod?

Der Sturz von Daniel Albrecht in Kitzbühel schockiert den alpinen Skisport. Während der Schweizer in der Innsbrucker Uniklinik im künstlichen Tiefschlaf lag, begannen die Diskussionen vermeintlicher und tatsächlicher Experten, ob dieser Crash zu verhindern gewesen wäre.

Didier Cuche machte einen Streckenposten darauf aufmerksam, dass der Zielsprung eine Spur zu steil sei und dort abgeflacht gehörte. Trotzdem weist der Teamkollege darauf hin, dass „der Sprung, ob er jetzt perfekt gebaut ist oder nicht, immer giftig ist.“ (Link) Genau da hakt Karl Schranz ein: „Es ist nicht notwendig, dass am Ende einer so anstrengenden Abfahrt auch noch ein schwieriger Sprung zu bewältigen ist.“

Die Meinung des dreifachen Weltmeisters, der in Zeiten Rennen fuhr, als Sicherheit im Skisport eine ähnliche Rolle spielte, wie das BZÖ in der österreichischen Politik, ist absolut richtig. Auch in Wengen wurde das Ziel-S entschärft und trotzdem war dieses Kriterium um nichts leichter – aber sicher weil breiter und dennoch attraktiv für die Zuseher.

Funktionärsgeschwätz

In solchen Diskussionen wird nur allzu oft der Fan als „Schuldiger“ vorgeschoben. Man müsse den Zusehern eine Show bieten, die Leute wollen „Action“, die Sportler wissen um das Risiko. Das klingt mir zu einfach, viel zu einfach, aber schön einfach für die Verantwortlichen.

In der Formel 1 formierte sich eine starke Fahrergewerkschaft, die den Sicherheitsaspekt logischerweise sehr ernst nimmt. Altere Präsidenten, denken beim Thema an andere Dinge: Wie kann ich verhindern, dass meine SM-Orgien künftig nicht an die Öffentlichkeit dringen? Wie sind diese Fotos entstanden? So hat jeder seine Sorgen. Durch technische Verbesserungen wurde einerseits die Piloten immer besser geschützt, das Reglement versuchte dem Geschwindigkeitsrausch entgegenzuwirken.

Die Fans leben gut damit und strömen weiterhin zu den Rennen. Das Duell Mann gegen Mann ist die Essenz im Sport. Egal, ob im Motorsport, der Leichtathletik oder dem Radsport. Die Geschwindigkeit ist ein statistisches Element, dass eigentlich nur die Kollegen der Presse interessiert. Besonders auch im Skisport.

Journalistische Erbsenzählerei

Die Geschwindigkeitsmessungen sind laut Armin Assinger und seinen Expertenkollegen eh immer falsch aufgestellt – also weg damit. Mir reicht es, zu wissen, dass die Jungs und Mädels mit über 100 Sachen die technisch meist anspruchsvollen Strecken runter brettern. Und es ist wird doch niemand ernsthaft protestieren, wenn man den Zielsprung nochmals entschärft.

Nur besonders unangenehme Zeitgenossen können wollen, dass die Sportler ähnlich modernen Gladiatoren, in diversen Arenen ihre Gesundheit oder gar ihr Leben zum Gaudium des Publikums opfern. Echte Anhänger wissen, dass eine Kitz-Abfahrt auch mit einem abgeflachten Zielsprung immer noch eine Herausforderung für die Läufer ist.

Klicks um jeden Preis

Dagegen scheitern viele Presseorgane  bereits an der Grenze des guten Geschmacks. Mit Bildern und Videos des Sturzes werden ungeniert Klicks generiert. Klar, die Fans wollen das! Und wenn Albrecht aus dem künstlichen Koma aufwacht, gibt es vielleicht die nächste Liveübertragung.

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