Anti-Dopingkampf – ein Kinderspiel

Seltsames tut sich in den letzten Wochen: Sportler erklären den Anti-Doping-Kampf als Einschränkung ihrer Menschenrechte, die internationalen Medien verlieren sich in Jubelarien weil sich ein Lance Armstrong wieder auf den Drahtesel schwingt und der selbst freut sich, dass mit der Rückkehr von Floyd Landis, Ivan Basso und Tyler Hamilton endlich wieder die besten Radrennfahrer im Zirkus vertreten sind.

Hoffenheim-Coach Ralf Rangnick versucht das Versäumnis seiner Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker zu relativieren und stellt das verspätete Erscheinen seiner beiden Spieler als Kavaliersdelikt hin. Dabei wird völlig außer Acht gelassen, dass es Verschleierungsmittel gibt, die alle eiweiß-basierenden Verbindungen in kürzester Zeit zerstören. „Nichts finden beweist gar nichts“, meint der Doping-Experte Werner Franke. Man braucht keine zehn Minuten, um solche Tabletten oder Flüssigkeiten zu übergeben, um später die Probem unbrauchbar zu machen.

Attacke gegen Dopingjäger
Da formiert sich eine Front gegen den Anti-Doping-Kampf. Wer steckt dahinter? Die Pharmaindustrie, die ja mit diversen Medikamenten in Athletenkreisen mehr verdient als mit Kranken? Die Verbände selbst, die offenbar kein Interesse daran haben, dass ihre Stars aufgeblattelt werden? Warum ist es bitte nicht möglich, die russische Mannschaft von der Biathlon-WM auszuschließen, nachdem drei Läufer erwischt wurden?

Kritische Stimmen zum Armstrong-Comeback sind nur schwer zu finden – am ehesten noch in deutschen Medien. Der Sunday-Times-Reporter Paul Kimmage vergleicht die Rückkehr Armstrongs mit der Rückkehr eines Krebsgeschwürs. Zurecht gibt es Proteste gegen diese Aussage, ist sie doch äußerst Menschen verachtend und geschmacklos – und daher auch um so passender.

Kritische Presse? Fehlanzeige
Aber in Australien – dem Auftakt seiner seltsamen Mission im Kampf gegen den Krebs – und in den USA, anlässlich seines Auftritts bei der Kalifornien-Rundfahrt, werden kritische Fragen mit Beschimpfungen beantwortet. Nicht nur von Armstrong und seinen Getreuen, auch Kollegen von der Presse wollen sich dieses historische Ereignis nicht schlecht reden lassen.

Glücklicherweise ist der langjährige Hauptsponsor der Tour of California, Amgen, Hersteller eines EPO-Präparats. Marketing-Chef Andrew Messick spinnt sich auch sofort eine seltsame Legende zusammen: Armstrongs Anti-Krebs-Kampagne, der vorgebliche Grund für sein Comeback, so Messick, harmoniere blendend mit den Zielen seiner Firma. EPO wird nicht vorrangig für Sportler hergestellt, sondern eigentlich für an Blutkrankheiten leidende Menschen – doch leistungswillige Athleten steigern den Umsatz um ein mehrfaches. Keine Frage: Im Hintergrund sorgt die Pharmaindustrie schon für die Versorgung ihrer „gesunden“ Kundschaft in Sportlerkreisen.

Vorlage für Athletenkritik
Damit wären wir wieder beim Thema Medikamentenmissbrauch. Das ist kein Kavaliersdelikt: Wenn der kleine Apotheker oder Arzt seine Medikamente an Junkies weitergibt und erwischt wird, ist seine Existenz kein Eierschwammerl mehr wert. Da greift die Gesellschaft hart durch. Doch im Sport scheint sich der Geist zu wandeln, der Kampf um den „sauberen“ Sport wirkt für manche Athleten, deren Umfeld, Pressevertreter und Fans nur noch (ver)störend – speziell in Österreich.

Wenn man andereseits hört, dass wie zum Beispiel im Fall Lisa Hütthaler eine Studentin zur Entnahme der Probe in die Südstadt geschickt wurde, die dann auch noch das passende Gefäß vergessen haben soll, dann wundert man sich auch über die Erzählung eines Ralf Rangnick nicht mehr. Und dass es bei solch ungeschicktem Vorgehen die Sportler leicht haben, Zweifel zu streuen, ist auch klar.

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