Jahrestage am 6. April 2009

Vor 100 Jahren…
…wird die Kunstturnerin Estella Agsteribbe, verheiratet Estella Blits, in Amsterdam (Noord-Holland, Niederlande) geboren. Sie gewinnt bei den Olympischen Heimspielen 1928 in Amsterdam Gold im Mannschaftsmehrkampf. Die legendäre Riege sorgt damit für den ersten Olympiasieg niederländischer Frauen. Fünf der zwölf Damen (neben Agsteribbe auch Helena Nordheim, Anna Polak, Judikje Simons, Elka de Levie) sind jüdischen Glaubens, nur de Levie überlebt den Holocaust. Estella Agsteribbe wird gemeinsam mit ihrem zweijährigen Sohn Alfred und ihrer sechsjährigen Tochter Nanny am 17. September 1943 im Alter von 34 Jahren in einer der Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau von den Nazis ermordet. Ihr Ehemann Samuel Blits wird am 28. April 1944 getötet.

…wird der Autorennfahrer Hermann Lang in Stuttgart-Cannstatt (Baden-Württemberg, Deutschland) geboren. 1939 gewinnt Lang mit dem Mercedes-Benz W 154 in seiner erfolgreichsten Saison unter anderem das Wiener Höhenstraßenrennen und wird vom Präsidenten der Deutschen Sportbehörde zum (international umstrittenen) Europameister erklärt. Der ehemalige Mercedes-Rennmechaniker feiert 1952 seinen größten Erfolg: Mit dem legendären Mercedes 300 SL siegt er gemeinsam mit Fritz Rieß bei den 24 Stunden von Le Mans. 1953 feiert der Deutsche sein Formel-1-Debüt auf Maserati beim GP der Schweiz (Platz 5), 1954 startet er mit dem Mercedes L8 beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring, scheidet jedoch aus und zieht sich danach vom Rennsport zurück. Hermann Lang stirbt am 19. Oktober 1987 in Stuttgart-Cannstatt im Alter von 78 Jahren.

Vor 80 Jahren…
…fusionieren die beiden Sportvereine Kownoer Sport Klub und Kultus Kaunas zum KSK-Kultus Kaunas, einem Klub der deutschen Minderheit in Litauen. Die beiden ursprünglichen Teams zählten zu den litauischen Topmannschaften der 1920er Jahre. Aufgrund der politischen Entwicklung wandern immer mehr Reichsdeutsche ab, die Mitgliederzahl wird immer geringer, 1930 steigt der Klub aus der höchsten Spielklasse ab. 1937 soll der Verein auf Veranlassung der litauischen Regierung aufgelöst werden, die Klubführung verhindert dies durch eine Umbenennung in Deutscher Sportverein Olympia. Die weitere Geschichte ist nicht bekannt.

Vor 75 Jahren…

…wird der Judoka Anton Geesink, eigentlich Antonius Johannes Geesink, in Utrecht (Niederlande) geboren. Er gewinnt 1964 in Tokio bei der Olympiapremiere des Judo in der Königsklasse, der offenen, die Goldmedaille [Video]. Schon 1961 sorgt der Niederländer für das erste WM-Gold für einen Nicht-Japaner, 1965 wird er wieder Weltmeister (+ 80 kg). Bei Europameisterschaften ist er zehnmal erfolgreich (offene Klasse: 7x, + 93 Kilogramm: 3x). Geesink ist außerdem der einzige lebende nicht-japanische Träger des zehnten Dan.

…absolviert die Fußballnationalmannschaft von Palästina, damals noch unter britischem Mandat, ihr erstes offizielles Heimspiel der Geschichte. Im Zuge der WM-Qualifikation für die Endrunde 1934 in Italien spielen nur die Gastgeber und Ägypten um den einzigen Platz für ein Team aus Asien und Afrika. Das Hinspiel in Kairo (das erste offizielle Länderspiel Palästinas) gewinnen die Nordafrikaner klar mit 7:1, das Rückspiel in Jerusalem (oder Tel Aviv) endet 4:1 für Ägypten. In der Zwischenzeit hält das Team aus Palästina bei 89 Länderspielen (Bilanz: 17 – 23 – 49, 103:161 Tore), daheim finden jedoch nur mehr vier weitere Partien statt, zuletzt am 28. Oktober 2008 (1:1 gegen Jordanien).

…wird der Boxer Willie Toweel, eigentlich William Michael Toweel, in Benoni (Gauteng, Südafrika) geboren. Der Südafrikaner gewinnt 1952 bei den Olympischen Spielen Bronze im Fliegengewicht. Sein erster WM-Kampf um die Krone im Bantamgewicht endet Remis – obwohl der Gegner zwei Niederschläge einstecken muss. Die erste Niederlage im 23. Kampf erleidet Toweel im Duell um den Commonwealth-Titel im Leichtgewicht 1955 gegen Landsmann Johnny van Rensburg. Im Rückkampf siegt der Profi nach Punkten und verteidigt den Gürtel noch weitere dreimal, ehe ihn Dave Charnley 1959 K.-O. schlägt. Die Bilanz von Willie Toweel: 54 Fights, 46 Siege (23 K.-O.), 6 Niederlagen (4 K.-O.), 2 Remis.

…stirbt in Los Angeles (Kalifornia, USA) der Boxer Dixie Kid, eigentlich Aaron Lister Brown, im Alter von 50 Jahren (geboren am 23. Dezember 1883 in Fulton, Missouri). Am 29. April 1904 gewinnt der Weltergewichtler gegen den legendären Joe Walcott aus Barbados den ersten Weltmeisterschaftskampf zweier Schwarzer Kämpfer.  Das Duell ist vermutlich verschoben: Der Ringrichter soll auf den US-Amerikaner gewettet haben und disqualifiziert den Favoriten Walcott scheinbar grundlos in der 20. Runde. Gegen Sam Langford versucht sich Kid zweimal um den inoffiziellen Titel des „farbigen“ Schwergewichts-Champion und scheitert. Er beendet im Jänner 1916 seine Karriere, kehrt nach vier Jahren wieder zurück und verliert seinen allerletzten Fight in Frankreich. 2002 wird der Dixie Kid in die Boxing Hall of Fame aufgenommen. Seine Bilanz: 148 Kämpfe, 87 Siege (54 K.-O.), 37 Niederlagen (6 K.-O.), 14 Remis.

Vor 70 Jahren…
…wird der Fußballspieler Cor Pleun Veldhoen in Rotterdam (Südholland, Niederlande) geboren. Der Verteidiger spielt während seiner gesamten Karriere für Feyenoord Rotterdam (4x Meister: 1961, 1962, 1965, 1969; 2x Pokal: 1965, 1969) und absolviert 27 Länderspiele für die Niederlande. Cor Pleun Veldhoen stirbt am 11. Oktober 2005 im Alter von 66 Jahren in Rotterdam.

Vor 50 Jahren…
…wird der Fußballspieler und -trainer Pietro Vierchowod, wegen seiner russischen Vorfahren auch „Lo Zar“ (dt.: Der Zar) genannt, in Calcinate (Lombardei, Italien) geboren. Der Verteidiger spielt unter anderem bei AS Roma (Meister 1983), Sampdoria Genua (EC der Pokalsieger 1990; Meister 1991; 4x Coppa Italia) und Juventus Turin (Champions League 1996). Er absolviert 45 Länderspiele (2 Tore) für Italien und nimmt an drei WM-Endrunden (1982 Weltmeister; 1986 Achtelfinale; 1990 Platz 3 – in der Vorrunde ohne Vierchowod gegen Österreich 1:0) und 1984 an den Olympischen Spielen  (Platz 4) teil. Bis 2008 ist der Italiener der älteste Teamspieler, der ein Länderspieltor für die Squadra Azzurra erzielt (24. März 1993 beim 6:1 gegen Malta), ehe ihn Christian Panucci 2008 ablöst. Als Trainer agiert Vierchowod glücklos und wird bei jedem Klub vorzeitig gefeuert (2001 Catania, 2002 Florentia, 2005 Triestina).

…wird der Fußballspieler Alfred Drabits in Traisen (Niederösterreich, Österreich) geboren. Der Stürmer spielt unter anderem beim Wiener Sportclub (1978-1981), bei Austria Wien (1981-1988; Halbfinale EC der Cupsieger: 1983; 3x Meister: 1984-1986; 2x Cupsieger: 1982, 1986) und dem FC Vienna (1988-1991; Intertoto-Cup-Sieger 1989) und absolviert sieben Länderspiele für Österreich. Drabits arbeitet derzeit bei der FS-Nachwuchs-Akademie in Hollabrunn im Trainerteam.

Vor 20 Jahren…
…stirbt der Kunstturner Michael Reusch im Alter von 75 Jahren (geboren am 3. Februar 1914). Der Schweizer gewinnt bei den Olympischen Spielen 1948 Gold am Barren und gewinnt WM-Gold 1938 am Seitpferd, am Barren und am Reck. Weitere Erfolge: 4x Olympiasilber (1936: Barren, Mannschaft; 1948: Ringe, Mannschaft).

…stirbt in Detroit (Michigan, USA) die Kunstspringerin Betty Becker, eigentlich Elizabeth Anna Becker, verheiratet Pinkston, später Campbell, im Alter von 86 Jahren (geboren am 6. März 1903 in Philadelphia, Pennsylvania). Sie gewinnt zweimal Olympiagold (1924: 3-Meter-Brett; 1928: 10-Meter-Turm) und -silber (1924: 10-Meter-Turm). Im Jahr des ersten Olympiatriumphs heiratet Becker den Olympiasieger von 1920 im Turmspringen, Clarence „Bud“ Pinkston, und gebärt 1926 Zwillinge.

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