Zucker auf der Hohen Warte

War das wieder ein schöner Fußballabend. Bei 25 Grad ein Bierchen auf der Hohen Warte schlürfen und der Vienna beim Siegen zusehen – das gefällt. Diesmal gab es auch keine Übelkeitsanfälle, das zivilisierte Publikum in Döbling kann sich wahrlich sehen lassen (übrigens zwei fesche Bürokauffrauen entdeckt, ganz fein).

In der Reihe hinter mir ein verhinderter Radioreporter (machte aber alles Sinn), der sich in kurze Diskussionen mit einem FavAC-Kicker verstrickte – die wollen übrigens nächstes Jahr aufsteigen. Neben mir ein typisches Grinzinger oder Sieveringer Pärchen, das sehr enthusiasmiert soviel Unsinn verzapfte, dass es schon wieder schön schräg war. Und vor mir zwei junge Familien mit einem Haufen Kinder. So viele, einfach nicht zum zählen – sehr brav, gut für meine Pensi.

Die Kleinen waren ein bisserl überdreht, was wenig verwundert. Während des Spiels gab es Sprite, Chips und viel Eistee – umgerechnet cirka 25 Würfelzucker pro Kind. Das bringt Leben in die Bude. Trotzdem waren alle rank und schlank. Mama – nennen wir sie Glückschi – wirkte fast ein wenig zu dünn. Womit wir schon wieder beim… wieso komme ich bei Fußball schon wieder aufs kotzen?

Meiner einer hält sich ja in Anwesenheit von sehr jungen Menschen mit Verbalattacken auf den Schiri und den Gegner zurück. Doch Papa II war da weniger zimperlich und ließ die „Schwarze Sau“ raus. Mit Fortdauer der Partie waren es vor allem die Herren Großväter, die die Gäste aus dem Burgen- und Schiriland mit Höflichkeiten bedachten. Und dann heißt’s wieder, die Jungen haben so einen grauenhaften Spruch. Ich vermied hartnäckig Kraftausdrücke, man erfüllt ja trotzdem eine Vorbildfunktion, und beschränkte mich auf um so hintergründigere Rufe, wie „Wos is mit dem?“.

Das Spiel selbst war ein besseres der Blau-Gelben, Ausschluss gab es auch keinen. Obwohl die Parndorfer ganz schon brutal waren. Warum? „Des homs vom Garger glernt, aunders kennans des net!“ Nach dem glorreichen 2:0-Sieg gönnt man sich ein Gösser im Heiligenstadl – ist ja gleich bei der U-Bahn und auf die nächste haben wir immer noch gewartet. Hat sich ausgezahlt, da ich einer Diskussion darüber beiwohnen durfte, wer von den derzeit inhaftierten ehemaligen Managern des Jahres wo aufgehängt gehört.

Meine humanistisch Erziehung verbietet mir jedoch solche Spekulationen. Mein Gewissen verpflichtet mich, ganz im Gegenteil, bei solchen Brutalitäten einzuschreiten und von Gewalt abzuraten. So recht wollte mir das aber nicht gelingen. Da fehlt es wohl an Überzeugung, muss wieder mehr Standard lesen.

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