Schöttel irrt sich

Schöttel beweist in einem Interview mit dem Kurier guten Sachverstand, dennoch gibt es Grund zur Kritik an den Aussagen des neuen Vienna-Managers: Seiner Meinung nach sollen in einer 16er-Liga die jungen Spieler eher zum Zuge kommen, als in einer Zehnerliga. Das halte ich für einen Irrglauben: Kein Trainer, auch wenn im Frühjahr auf Rang neun rangierend von allen Abstiegs- und Aufstiegssorgen befreit, schreibt die Saison ab und gibt den viel versprechenden Talenten mehr Einsatzzeiten. Man muss die Tatsachen realistisch sehen: Das Vertrauen in die Nachwuchskicker stellt sich erst ein, wenn dem Verein die Kohle fehlt. Siehe Sturm in der vergangenen Saison, siehe Austria nach dem Magna-Abgang usw. Die Größe der Liga eröffnet den Jungen nicht mehr Möglichkeiten als die Zehnerliga.

Sauer stößt mir auch Schöttels Meinung zur Aufstiegsfrage vor allem in den „Profi“-Bereich auf. „Ich weiß nicht, ob es für jeden Verein sinnvoll ist eine Liga höher zu spielen.“ Deswegen gibt es ja Lizenzierungsverfahren, um den kleinen Vereinen Orientierung zu geben und deren Verfassung einzuschätzen. In Deutschland verzichten mittlerweile erschreckend viele Klubs auf ihr Aufstiegsrecht, wollen wir das in Österreich ebenfalls?

Schöttel glaubt auch, dass die größten Talente bei den Amateur-Teams der Bundesligisten spielen und es daher legitim sei, diese Mannschaften an  der zweithöchsten Spielklasse teilnehmen zu lassen. Obwohl er im selben Atemzug relativiert, dass auch die Regionalliga als Talenteschmiede gar nicht so schlecht sei. Wollen wir in Österreich tatsächlich ein zweite Liga mit Amateur-Teams, die vor leeren Stadien spielen? Das Desinteresse an den Reservetruppen ist schon in der Regionalliga groß genug. Und warum um Himmels Willen muss wegen der vermeintlichen Nachwuchsausbildung eine funktionierende Ligastruktur ausgelöscht werden? Nicht nur in der Ostliga sind die Teamvertreter entsetzt über diese Schnapsidee. Auch im Westen und der Mitte (Ausnahme: Kärnten), sind die Teams nicht so unzufrieden mit der Liga, wie versucht wird darzustellen.

Schade, dass der Kurier der Verlockung nicht widerstehen kann, ein Interview als Slideshow zu verkaufen. Generiert zwar viele Klicks, ist aber umständlich zu lesen. Und die Fotos sind auch nicht das Gelbe vom Ei.

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Schöttel: „Bei Prohaska war es wurscht“
Der Vienna-Manager und TV-Experte spricht mit KURIER.at über seinen neuen Job, die Liga-Reform und neue Hoffnung für das Nationalteam.
Quelle: kurier.at

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