Gerhard Fellner: „Man muss dieses Spiel lieben!“

Viennas Cotrainer Gerhard Fellner ist seit 2007 Teil der Blau-Gelben Familie und einer der Väter des Aufstiegs in die zweite heimische Spielklasse. Der Salzburger beschreibt dem Ballkönig sein Verhältnis zu seinem Chef Alfred Tatar, seine Einstellung zum Fußball und warum die Döblinger dem Profifußball erhalten bleiben werden.

Ballkönig: Du bist seit etwas mehr als einem halben Jahr im Trainerteam der Vienna nachdem du im Sommer 2010 als ältester Aktiver in der Bundesliga deine Schuhe an den Nagel gehängt hast. Bereust du den Schritt schon oder war die Entscheidung ein logischer Schritt in deiner Karriereplanung?

Gerhard Fellner: Ich hätte in der Regionalliga schon noch weiterspielen können, das wäre kein Problem gewesen. Aber ich wollte die Chance, die mir der Vorstand gab, nutzen. Man bot mir an ins Trainerteam einzusteigen. Und für mich war immer klar, dass ich in dieser Funktion nach meiner aktiven Karriere weitermache. Erfahrung habe ich schon 2003 nach meiner Rückkehr aus St. Mirren gemacht: Damals übernahm ich das Traineramt bei Wals-Grünau in der Salzburger Landesliga. Danach habe ich mich bei Trainerkursen und Schulungen weitergebildet.

Du hast während deiner Spielerlaufbahn seit 1988 einige Trainer erlebt. Wie beeinflussen dich diese Coaches in deiner jetzigen Position?

Fellner: Ja, ich hatte einige namhafte Trainer wie Baric, Zellhofer, Gregoritsch, Krankl und viele mehr. Ich begann schon sehr früh damit, ein Training-und-Taktik-Archiv anzulegen und was ich anders oder sogar besser machen würde. Derzeit bin ich aber Co-Trainer, also Befehlsempfänger. Ich kann und will auch nicht Einfluss nehmen. Am Ende entscheidet immer der Chefcoach, der muss auch den Kopf hinhalten, wenn es nicht läuft.

Wie ist die Arbeit unter der Regie von Alfred Tatar?

Fellner: Man kann gut mit ihm zusammen arbeiten und ich lerne viel von ihm. Er hat ein breites Fachwissen und deckt viele Bereiche, die man als Klassetrainer wissen muss, ab. Wir haben die gleiche Sicht auf den Fußball und sind beide akribische Tüftler. Das beginnt bei der Trainingssteuerung, der taktischen Einstellung der Mannschaft aber auch der Analyse des Gegners. Dafür haben wir mit Peter Webora einen sehr guten Scout, der als Spiel- aber auch Spielerbeobachter wertvolle Dienste leistet.

Also spielt bei euch die Strategie und Taktik eine entscheidende Rolle?

Fellner: Ja, wir sind auf alles vorbereitet und wissen, was der Gegner in bestimmten Situationen machen wird. Wie die Spieler das auf dem Platz umsetzen, ist die andere Frage.

Was unterscheidet Tatar von seinem Vorgänger Frenkie Schinkels?

Fellner: Also was ich nach dieser kurzen Zeit über Alfred Tatar sagen kann: Er ist ein sehr ausgeglichener Mensch, trifft Entscheidungen sehr sachlich, rational und besonnen. Er ist ein intelligenter Trainer, der mich jetzt schon durch seine Art prägt. Mit Schinkels habe ich mich auch gut verstanden.

Gerüchteweise heißt es, dass du im Sommer den Kader zusammen gestellt haben sollst?

Fellner: Das ist ein absoluter Blödsinn, da werde ich richtig böse. Ich habe nur beim Transfer von Philipp Hosiner meine Verbindungen spielen lassen. Das war’s dann auch schon.

Jetzt ein Wort zur aktuellen Situation auf der Hohen Warte: Wie gehst du mit dem Abstiegsgespenst um?

Fellner: Wir, das Trainerteam, haben den Herbst analysiert, die Lehren daraus gezogen und reagiert. Mit den Neuzugängen hat sich das Niveau der Mannschaft sicher verbessert. Durch den Rückstand ist jede Partie ein Alles-Oder-Nichts-Spiel – aber mit gestandenen Spielern wie Dospel, Mair und Markovic schaffen wir das. Die kennen solche Stresssituationen und wissen was zu tun ist.

Aber wie geht es dir persönlich? Bist du auf den möglichen Abstieg vorbereitet, hast du einen Plan B im Falle einer Entlassung?

Fellner: Nein, damit beschäftige ich mich überhaupt nicht. Ich möchte mit der Vienna den Weg in die Zukunft gehen. Und ich glaube an eine rosige Zukunft für diesen schlafenden Riesen. Wenn wir, wovon ich ausgehe, den Klassenerhalt schaffen, dann steht dem nichts im Wege. Es wäre ein Traum, eine Saison ohne Angst im Nacken zu spielen und in der Folge mit der Vienna um den Aufstieg mitzuspielen.

Und welche Träume hat der Trainer Fellner abseits der Vienna?

Fellner: Langfristig möchte ich natürlich einen Verein im Ausland trainieren, am liebsten wäre mir natürlich eine britische Liga. Dort wird der Fußball gespielt, den ich gerne sehe und auch immer gespielt habe. Aber egal, wo ich und in welcher Funktion ich engagiert bin: Ich möchte als Trainer mehr erreichen als während meiner Karriere als Spieler. Fußball ist für mich kein Job oder Spaß – dieser Sport ist Leidenschaft. Man muss dieses Spiel lieben, dann kommen auch der Erfolg, die Pokale, das Geld.

Gerhard Fellner gehört zum letzten Rest der Aufstiegstruppe 2009, das sich noch in Diensten der Vienna findet. Er spielte zuvor unter anderem bei Austria Salzburg, St. Pölten, Falkirk (SCO), Admira Mödling und LASK.

Advertisements

Schlagwörter: , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: