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„Talent alleine reicht nicht“

11. März 2010

Am 11. März 1990 feierte Weltmeisterin Karin Buder ihren einzigen Sieg im Weltcup. Die Protagonistin war sich des historischen Datums nicht bewusst und selbst sehr überrascht.

Frau Buder, können sie sich an den Sieg überhaupt noch erinnern?

Ja, das war in Stranda (Norwegen). Ich habe nach dem ersten Durchgang geführt und im zweiten sechs Hundertstel Sekunden Vorsprung ins Ziel gebracht. Wir waren drei ÖSV-Läuferinnen am Stockerl, unter den Top-Sieben waren sechs Österreicherinnen.

Wieso haben ausgerechnet bei diesem Rennen die Nerven gehalten?

Ich war vor dem Start immer extrem nervös. In Stranda waren sehr wenig Zuseher, das hat sicher geholfen. Es war fast wie im Training, wo ich immer mit der Konkurrenz mitgehalten habe. Ich war nicht schlechter als die anderen, aber wegen meiner Nervosität ist der Sprung nach ganz oben erst sehr spät gelungen.

Das war drei Jahre später als sie die Weltmeisterschaft gewonnen haben.

Auf die WM-Goldene bin ich immer noch sehr stolz. Ich bin die letzte österreichische Weltmeisterin im Slalom. Und meine Kinder fragen mich immer wieder, wie das damals war und ich erzähle ihnen von den Reisen und den Kollegen. Diese Zeit gewinnt durch meine Söhne wieder an Bedeutung.

Es hieß ja, sie wären bei ihrem WM-Titel bereits schwanger gewesen.

Das stimmt nicht. Mein Sohn kam neun Monate nach dem Rennen auf die Welt, das gefiel den Medien. Tatsächlich habe ich erst vier Wochen später vor dem Rennen in Kvitfjell von meiner Schwangerschaft erfahren und auf den Start verzichtet.

Was hat ihnen nach dem Ende ihrer Karriere am meisten gefehlt?

Das Reisen. Ich war viel unterwegs, habe viel von der Welt gesehen.

Und was hat sie während ihrer Karriere gestört?

Dass wir ungleich behandelt wurden. Gewisse Leute in der Mannschaft wurden bevorzugt, wir Slalomfahrer wurden immer im Hintergrund gehalten. Wenn dann doch wer mit mir geredet hat, hieß es gleich, ich solle mich zurückhalten und am besten nichts sagen.

Würden sie heute noch einmal diesen Weg gehen?

Wenn ich zwanzig Jahre jünger wäre, warum nicht? Ich habe tolle Erfahrungen gemacht, die Zeit hat mich geprägt und ich möchte nichts missen. Mich schreckt ein wenig, wie brutal die Fahrer heute auf die Stangen zufahren. Aber wenn ich nochmal die Chance hätte, würde ich es tun.

Sie sind Mutter von drei Söhen: Dominik, 17; Christoph, 13 und Lukas, 8. Der mittlere steht vor dem Sprung in den steirischen Schülerkader. Welchen Ratschlag können sie ihm mit auf den Weg geben?

Talent allein reicht nicht. Ich dachte damals, ich komme alleine damit weiter und ließ im Sommertraining die Zügel schleifen – das war sicher ein Fehler. Christoph soll auch in der freien Zeit selbstständig trainieren. Ich werde ihn zu nichts drängen, aber unterstützen, wo ich nur kann.

Findet man sie heute noch auf der Piste?

Ja, ich begleite meine beiden Jüngsten zu den Rennen. Sonst stehe ich eigentlich selten auf den Skiern, bei den Klubmeisterschaften des SV St. Gallen fahre ich noch Rennen. Vor einem Jahre habe ich mit dem Laufen begonnen und möchte 2010 bei einem Halbmarathon starten. Wo das sein wird, weiß ich noch nicht.

Karin Buder begann ihre Weltcup-Karriere am 11. Jänner 1983. Sie fuhr bei 44 Starts bis 1993 fünfmal aufs Stockerl (1 Sieg, 4 dritte Plätze). 1993 feierte sie in Morioka mit WM-Gold im Slalom ihren größten Triumph und beendete damit ihre Karriere.