Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Weniger Bahn, mehr Erfolg

19. April 2009

Ich hätte es wissen müssen: Das Champions-League-Aus von Liverpool kündigte sich am Dienstag bereits am Vormittag an. Erst wurde ich zu einer kleinen Geldstrafe verurteilt, da ich einen Regionalzug ohne Ticket bestieg. Klingt fair? Mitnichten: Der Fahrkartenautomaten wollte meine 50-Euro-Scheinchen nicht, in Ermangelung kleinerEinheiten scheiterte ich kläglich an der Ticket-Maschine.

Dem nicht genug, kündigt sich das abendliche Desaster beim Umstieg in den IC nachhaltig an. Der, trotz Osterferien-Rückreise-Verkehr, auffallend kurz geratene Zug brillierte mit einem besonderen Service: Im letzten Waggon durften sich die Passagiere an unverfälschten, sehr warmen Temperaturen erfreuen. Der ÖBB-Wartungsdienst entschloss sich offenbar, einen Wagen ohne Klimaanlage auf die Reise zu schicken. Reduziert die Kosten und der Gedanke, durch viel Schweiß den einen oder anderen ÖBB-Manager vor dem Hungertod gerettet zu haben, baute auch mich auf.

Also hätte ich nicht überrascht sein dürfen, dass das Spiel so endete, wie es endete. Doch meine Euphorie ließ mich den Tag und die negativen Vorzeichen vergessen, ich fieberte bis zum Schluss mit. Erst mit dem 4:4-Ausgleich war die Hoffnung tatsächlich gestorben – und damit auch jegliches Gefühl im Körper des Ballkönigs.

Und wen wundert’s, dass am Freitag auch das Spitzenspiel der Ostliga nicht nach meinem Wunsche verlief? Nahm ich doch auch an diesem Tag die Dienste der ÖBB in Anspruch. Für die Zukunft kann die Devise nur heißen: Weniger Bahn – mehr Punkte.

Zur Draufgabe verhunzte mir Chelsea fast noch das Wochenende. Doch es gibt noch blaue Wunder, die mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern: Everton besiegt die Red Devils. Der Ballkönig freut sich, denn am Schluss hat Liverpool doch noch gewonnen. Irgendwie.


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Zucker auf der Hohen Warte

10. April 2009

War das wieder ein schöner Fußballabend. Bei 25 Grad ein Bierchen auf der Hohen Warte schlürfen und der Vienna beim Siegen zusehen – das gefällt. Diesmal gab es auch keine Übelkeitsanfälle, das zivilisierte Publikum in Döbling kann sich wahrlich sehen lassen (übrigens zwei fesche Bürokauffrauen entdeckt, ganz fein).

In der Reihe hinter mir ein verhinderter Radioreporter (machte aber alles Sinn), der sich in kurze Diskussionen mit einem FavAC-Kicker verstrickte – die wollen übrigens nächstes Jahr aufsteigen. Neben mir ein typisches Grinzinger oder Sieveringer Pärchen, das sehr enthusiasmiert soviel Unsinn verzapfte, dass es schon wieder schön schräg war. Und vor mir zwei junge Familien mit einem Haufen Kinder. So viele, einfach nicht zum zählen – sehr brav, gut für meine Pensi.

Die Kleinen waren ein bisserl überdreht, was wenig verwundert. Während des Spiels gab es Sprite, Chips und viel Eistee – umgerechnet cirka 25 Würfelzucker pro Kind. Das bringt Leben in die Bude. Trotzdem waren alle rank und schlank. Mama – nennen wir sie Glückschi – wirkte fast ein wenig zu dünn. Womit wir schon wieder beim… wieso komme ich bei Fußball schon wieder aufs kotzen?

Meiner einer hält sich ja in Anwesenheit von sehr jungen Menschen mit Verbalattacken auf den Schiri und den Gegner zurück. Doch Papa II war da weniger zimperlich und ließ die „Schwarze Sau“ raus. Mit Fortdauer der Partie waren es vor allem die Herren Großväter, die die Gäste aus dem Burgen- und Schiriland mit Höflichkeiten bedachten. Und dann heißt’s wieder, die Jungen haben so einen grauenhaften Spruch. Ich vermied hartnäckig Kraftausdrücke, man erfüllt ja trotzdem eine Vorbildfunktion, und beschränkte mich auf um so hintergründigere Rufe, wie „Wos is mit dem?“.

Das Spiel selbst war ein besseres der Blau-Gelben, Ausschluss gab es auch keinen. Obwohl die Parndorfer ganz schon brutal waren. Warum? „Des homs vom Garger glernt, aunders kennans des net!“ Nach dem glorreichen 2:0-Sieg gönnt man sich ein Gösser im Heiligenstadl – ist ja gleich bei der U-Bahn und auf die nächste haben wir immer noch gewartet. Hat sich ausgezahlt, da ich einer Diskussion darüber beiwohnen durfte, wer von den derzeit inhaftierten ehemaligen Managern des Jahres wo aufgehängt gehört.

Meine humanistisch Erziehung verbietet mir jedoch solche Spekulationen. Mein Gewissen verpflichtet mich, ganz im Gegenteil, bei solchen Brutalitäten einzuschreiten und von Gewalt abzuraten. So recht wollte mir das aber nicht gelingen. Da fehlt es wohl an Überzeugung, muss wieder mehr Standard lesen.

Jahrestage am 6. April 2009

6. April 2009

Vor 100 Jahren…
…wird die Kunstturnerin Estella Agsteribbe, verheiratet Estella Blits, in Amsterdam (Noord-Holland, Niederlande) geboren. Sie gewinnt bei den Olympischen Heimspielen 1928 in Amsterdam Gold im Mannschaftsmehrkampf. Die legendäre Riege sorgt damit für den ersten Olympiasieg niederländischer Frauen. Fünf der zwölf Damen (neben Agsteribbe auch Helena Nordheim, Anna Polak, Judikje Simons, Elka de Levie) sind jüdischen Glaubens, nur de Levie überlebt den Holocaust. Estella Agsteribbe wird gemeinsam mit ihrem zweijährigen Sohn Alfred und ihrer sechsjährigen Tochter Nanny am 17. September 1943 im Alter von 34 Jahren in einer der Gaskammern des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau von den Nazis ermordet. Ihr Ehemann Samuel Blits wird am 28. April 1944 getötet.

…wird der Autorennfahrer Hermann Lang in Stuttgart-Cannstatt (Baden-Württemberg, Deutschland) geboren. 1939 gewinnt Lang mit dem Mercedes-Benz W 154 in seiner erfolgreichsten Saison unter anderem das Wiener Höhenstraßenrennen und wird vom Präsidenten der Deutschen Sportbehörde zum (international umstrittenen) Europameister erklärt. Der ehemalige Mercedes-Rennmechaniker feiert 1952 seinen größten Erfolg: Mit dem legendären Mercedes 300 SL siegt er gemeinsam mit Fritz Rieß bei den 24 Stunden von Le Mans. 1953 feiert der Deutsche sein Formel-1-Debüt auf Maserati beim GP der Schweiz (Platz 5), 1954 startet er mit dem Mercedes L8 beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring, scheidet jedoch aus und zieht sich danach vom Rennsport zurück. Hermann Lang stirbt am 19. Oktober 1987 in Stuttgart-Cannstatt im Alter von 78 Jahren.

Vor 80 Jahren…
…fusionieren die beiden Sportvereine Kownoer Sport Klub und Kultus Kaunas zum KSK-Kultus Kaunas, einem Klub der deutschen Minderheit in Litauen. Die beiden ursprünglichen Teams zählten zu den litauischen Topmannschaften der 1920er Jahre. Aufgrund der politischen Entwicklung wandern immer mehr Reichsdeutsche ab, die Mitgliederzahl wird immer geringer, 1930 steigt der Klub aus der höchsten Spielklasse ab. 1937 soll der Verein auf Veranlassung der litauischen Regierung aufgelöst werden, die Klubführung verhindert dies durch eine Umbenennung in Deutscher Sportverein Olympia. Die weitere Geschichte ist nicht bekannt.

Vor 75 Jahren…

…wird der Judoka Anton Geesink, eigentlich Antonius Johannes Geesink, in Utrecht (Niederlande) geboren. Er gewinnt 1964 in Tokio bei der Olympiapremiere des Judo in der Königsklasse, der offenen, die Goldmedaille [Video]. Schon 1961 sorgt der Niederländer für das erste WM-Gold für einen Nicht-Japaner, 1965 wird er wieder Weltmeister (+ 80 kg). Bei Europameisterschaften ist er zehnmal erfolgreich (offene Klasse: 7x, + 93 Kilogramm: 3x). Geesink ist außerdem der einzige lebende nicht-japanische Träger des zehnten Dan.

…absolviert die Fußballnationalmannschaft von Palästina, damals noch unter britischem Mandat, ihr erstes offizielles Heimspiel der Geschichte. Im Zuge der WM-Qualifikation für die Endrunde 1934 in Italien spielen nur die Gastgeber und Ägypten um den einzigen Platz für ein Team aus Asien und Afrika. Das Hinspiel in Kairo (das erste offizielle Länderspiel Palästinas) gewinnen die Nordafrikaner klar mit 7:1, das Rückspiel in Jerusalem (oder Tel Aviv) endet 4:1 für Ägypten. In der Zwischenzeit hält das Team aus Palästina bei 89 Länderspielen (Bilanz: 17 – 23 – 49, 103:161 Tore), daheim finden jedoch nur mehr vier weitere Partien statt, zuletzt am 28. Oktober 2008 (1:1 gegen Jordanien).

…wird der Boxer Willie Toweel, eigentlich William Michael Toweel, in Benoni (Gauteng, Südafrika) geboren. Der Südafrikaner gewinnt 1952 bei den Olympischen Spielen Bronze im Fliegengewicht. Sein erster WM-Kampf um die Krone im Bantamgewicht endet Remis – obwohl der Gegner zwei Niederschläge einstecken muss. Die erste Niederlage im 23. Kampf erleidet Toweel im Duell um den Commonwealth-Titel im Leichtgewicht 1955 gegen Landsmann Johnny van Rensburg. Im Rückkampf siegt der Profi nach Punkten und verteidigt den Gürtel noch weitere dreimal, ehe ihn Dave Charnley 1959 K.-O. schlägt. Die Bilanz von Willie Toweel: 54 Fights, 46 Siege (23 K.-O.), 6 Niederlagen (4 K.-O.), 2 Remis.

…stirbt in Los Angeles (Kalifornia, USA) der Boxer Dixie Kid, eigentlich Aaron Lister Brown, im Alter von 50 Jahren (geboren am 23. Dezember 1883 in Fulton, Missouri). Am 29. April 1904 gewinnt der Weltergewichtler gegen den legendären Joe Walcott aus Barbados den ersten Weltmeisterschaftskampf zweier Schwarzer Kämpfer.  Das Duell ist vermutlich verschoben: Der Ringrichter soll auf den US-Amerikaner gewettet haben und disqualifiziert den Favoriten Walcott scheinbar grundlos in der 20. Runde. Gegen Sam Langford versucht sich Kid zweimal um den inoffiziellen Titel des „farbigen“ Schwergewichts-Champion und scheitert. Er beendet im Jänner 1916 seine Karriere, kehrt nach vier Jahren wieder zurück und verliert seinen allerletzten Fight in Frankreich. 2002 wird der Dixie Kid in die Boxing Hall of Fame aufgenommen. Seine Bilanz: 148 Kämpfe, 87 Siege (54 K.-O.), 37 Niederlagen (6 K.-O.), 14 Remis.

Vor 70 Jahren…
…wird der Fußballspieler Cor Pleun Veldhoen in Rotterdam (Südholland, Niederlande) geboren. Der Verteidiger spielt während seiner gesamten Karriere für Feyenoord Rotterdam (4x Meister: 1961, 1962, 1965, 1969; 2x Pokal: 1965, 1969) und absolviert 27 Länderspiele für die Niederlande. Cor Pleun Veldhoen stirbt am 11. Oktober 2005 im Alter von 66 Jahren in Rotterdam.

Vor 50 Jahren…
…wird der Fußballspieler und -trainer Pietro Vierchowod, wegen seiner russischen Vorfahren auch „Lo Zar“ (dt.: Der Zar) genannt, in Calcinate (Lombardei, Italien) geboren. Der Verteidiger spielt unter anderem bei AS Roma (Meister 1983), Sampdoria Genua (EC der Pokalsieger 1990; Meister 1991; 4x Coppa Italia) und Juventus Turin (Champions League 1996). Er absolviert 45 Länderspiele (2 Tore) für Italien und nimmt an drei WM-Endrunden (1982 Weltmeister; 1986 Achtelfinale; 1990 Platz 3 – in der Vorrunde ohne Vierchowod gegen Österreich 1:0) und 1984 an den Olympischen Spielen  (Platz 4) teil. Bis 2008 ist der Italiener der älteste Teamspieler, der ein Länderspieltor für die Squadra Azzurra erzielt (24. März 1993 beim 6:1 gegen Malta), ehe ihn Christian Panucci 2008 ablöst. Als Trainer agiert Vierchowod glücklos und wird bei jedem Klub vorzeitig gefeuert (2001 Catania, 2002 Florentia, 2005 Triestina).

…wird der Fußballspieler Alfred Drabits in Traisen (Niederösterreich, Österreich) geboren. Der Stürmer spielt unter anderem beim Wiener Sportclub (1978-1981), bei Austria Wien (1981-1988; Halbfinale EC der Cupsieger: 1983; 3x Meister: 1984-1986; 2x Cupsieger: 1982, 1986) und dem FC Vienna (1988-1991; Intertoto-Cup-Sieger 1989) und absolviert sieben Länderspiele für Österreich. Drabits arbeitet derzeit bei der FS-Nachwuchs-Akademie in Hollabrunn im Trainerteam.

Vor 20 Jahren…
…stirbt der Kunstturner Michael Reusch im Alter von 75 Jahren (geboren am 3. Februar 1914). Der Schweizer gewinnt bei den Olympischen Spielen 1948 Gold am Barren und gewinnt WM-Gold 1938 am Seitpferd, am Barren und am Reck. Weitere Erfolge: 4x Olympiasilber (1936: Barren, Mannschaft; 1948: Ringe, Mannschaft).

…stirbt in Detroit (Michigan, USA) die Kunstspringerin Betty Becker, eigentlich Elizabeth Anna Becker, verheiratet Pinkston, später Campbell, im Alter von 86 Jahren (geboren am 6. März 1903 in Philadelphia, Pennsylvania). Sie gewinnt zweimal Olympiagold (1924: 3-Meter-Brett; 1928: 10-Meter-Turm) und -silber (1924: 10-Meter-Turm). Im Jahr des ersten Olympiatriumphs heiratet Becker den Olympiasieger von 1920 im Turmspringen, Clarence „Bud“ Pinkston, und gebärt 1926 Zwillinge.